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15.07.2021

Klimawandel in Norddeutschland Welche Auswirkungen, Folgen und Handlungsbedarfe zeichnen sich ab?

Schifffahrt

Die Schifffahrt trägt durch Treibhausgasemissionen zum Klimawandel bei. Etwa 80 % des globalen Gütertransports erfolgen durch die Seeschifffahrt. Von den Treibhausgasemissionen, die vom Transportsektor erzeugt werden, fallen etwa 37 % auf die Seeschifffahrt. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts kann das Transportvolumen um das 4-Fache steigen. Durch die Klimafolgen ergeben sich sowohl Risiken als auch Chancen.

© Michael Fritz

© Michael Fritz

Neben den Treibhausgasemissionen stellt insbesondere die Emissionsbelastung in den Seehäfen infolge der Nutzung preiswerter und minderwertiger Schweröle ein besonderes Problem dar. Weitere Problemfelder sind die Verklappung von Öl und anderen Schadstoffen, die Verschmutzung durch Bilgewasser, die Einschleppung fremder Arten in die heimi­schen Ökosysteme und die Emission von Luftschadstoffen und Lärm. Zudem sind Infrastrukturmaßnahmen, wie z. B. Fahr­rinnenerweiterungen und die Ausweitung von Hafenanlagen, Straßen- und Schienensystemen, vor dem Hintergrund des Klimawandels ggf. neu zu bewerten, da beispielsweise morpho­logische Änderungen an Flüssen und Küsten im Zusammen­spiel mit dem Meeresspiegelanstieg zu erhöhten Sturmflutwas­serständen führen können.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Meeresspiegel­anstieg, möglicherweise einhergehend mit höheren Wellen und stärkeren Stürmen, zu vermehrten, stärkeren und länger andauernden Überflutungen der Hafenanlagen führt. Dies hätte entsprechende betriebliche Ausfallzeiten zur Folge. Die Ankunftsgenauigkeit der Schiffe wäre beeinträchtigt und ihre Be-­ und Entladung erschwert, da bei Überflutung die Zu-­ und Abfahrtswege möglicherweise nicht mehr passierbar sind. Zudem wären von den Überflutungen neben den Liege­plätzen auch die Stromversorgung sowie die Lagerflächen betroffen, so dass die Transportgüter beschädigt werden könnten.

Durch den Meeresspiegelanstieg kann die Befahrbarkeit der Wasserstraßen für Schiffe beeinträchtigt werden, wenn der Wasserpegel so erhöht ist, dass die erforderliche Durchfahrts­höhe unter Brücken nicht mehr gewährleistet wäre. Geringere Niederschlagsmengen, wie Klimaszenarien für Sommermonate plausibel erscheinen lassen, und eine mögliche Verstärkung des stromaufwärts gerichteten Sedimenttransports und eine damit einhergehende steigende Ablagerung, könnten dagegen regional zu geringerer Wassertiefe führen und damit die Schiffbarkeit der Wasserstraßen, z. B. der Elbe, für Schiffe mit großem Tiefgang erschweren. Im Bereich der Elbe sind solche Niedrigwassersituationen aufgrund ihrer relativ langen Andauer für den Binnenschiffstransport relevanter als Hoch­wasserereignisse. Die Transportleistung in der Schifffahrt und damit der Umschlag des Hafenbetriebes wären dadurch empfindlich beeinträchtigt.

Als Chance für die Schifffahrt wird der mit der Erderwärmung einhergehende Rückgang des Polareises gesehen. Dieser eröffnet potenziell neue Schifffahrtswege. Die damit verbundene Verkürzung der Transportzeiten kann erheblich sein. So beträgt das Einsparpotenzial hinsichtlich der Transportzeiten auf der Nordostpassage entlang der russischen Küste nach Asien 40 % gegenüber der Route durch den Sueskanal. Dies wird insbeson­dere für den Hamburger Hafen positiv bewertet, da sein Containerumschlag zur Hälfte durch den Seeverkehr von und nach Asien erfolgt.

Der Kostenersparnis durch Nutzung der Nordostpassage stehen Gebühren gegenüber, die an den Anrainerstaat Russland zu entrichten sind, sowie Entgelte für die Begleitung mit Eisbrechern. Seeschifffahrt in den Polargebieten ist zudem nur mit Schiffen der entsprechenden Eisklasse möglich. Dies bedeutet, dass die Schiffe verstärkte Rümpfe und kräftigere Antriebssysteme haben müssen. Dies erhöht ihr Gewicht, reduziert ihre Ladekapazität und führt zu höheren Konstruktions- und Betriebskosten.

Bei künftig möglicherweise größeren Wellenhöhen, beispielsweise um 1 m auf See, müsste die Materialstärke der Tanker um 5–8 % angehoben werden. Auch im Hinblick auf die Verhinderung der Einschleppung fremder Arten werden Veränderungen an den Schiffsrümpfen, z. B. durch bestimmte Anstriche oder Oberflächenbehandlungen, diskutiert.

Anpassung von Hafenanlagen
Aufgrund des zunehmenden Risikos der Überschwemmung von Hafenanlagen werden technische Maßnahmen wie Anpassungen von Eindeichungen, Sperrwerken und Überlaufpoldern hinter den Deichen diskutiert. Aber auch die Wiederherstellung natürlicher Funktionen von Überflutungsflächen wird als Option für künftige Anpassungsmaßnahmen in Betracht gezogen.
Handlungsbedarf beim Sedimentmanagement
Infolge des erhöhten Sedimenttransports sind Kapazitäten für vermehrte Maßnahmen zur Erhaltung der Fahrrinne bereitzustellen, um die Schiffbarkeit des Hamburger Hafens zu gewährleisten. Problematisch ist jedoch weiterhin die Schadstoffbelastung des Sediments, die ihren Ursprung im gesamten Einzugsgebiet der Elbe bis hin zur Tschechischen Republik hat. Die ausgehobenen Sedimente werden derzeit an Land behandelt und abgelagert. Maßnahmen zur Verringerung der Schadstoffbelastung des vermehrt zu lagernden Sediments sind daher auch in Zukunft unabdingbar.